Der Lechfall bei Füssen
aus der Reihe"Geopark Allgäu" von
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Bücher: Ort der Göttin & Magnuslegende - So leicht wird man kein Allgäuer
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Alpe auf dem Salober
Ähnlich wie beim Lusalten sind die Wurzeln der Bedeutung des Salober in der Legende von St. Mang zu finden. Die Vita des Hl. Magnus enthält keinen Hinweis auf den Salober. Trotzdem ist in den Sagen um St. Mang eindeutig auf den Salober Bezug genommen.

Es wäre doch anzunehmen, dass St. Mang über einen normalen und bequemen Weg in der Ebene von Pfronten aus nach Füssen gekommen ist. Doch die Legende weiß es anders. Aus ihr geht hervor, dass sich St. Mang einige Zeit im Pfrontener Tal, auf dem Breitenberg und auf dem Rossberg aufhielt und dann über den Bergrücken des Salober nach Füssen kam. Dort oben gibt es noch heute einen Flurnamen, der „Sankt Mangenalpe" heißt.
Besondere „Taten" von St. Mang mit Bezug zum Salober sind nicht überliefert. Aber der Name „Salober" selbst ist sehr aussagekräftig und hat Parallelen. Die mit dem Wort Salober benannten Gebiete liegen durchwegs in der Alpregion, z.B. der Salober Kopf bei Hindelang. Weitere vier Beispiele für Saluver gibt es in der Schweiz, Kanton Graubünden, wo dieser Name auch Ackerland bezeichnet. Gewöhnlich gehören diese Namensformen zu lateinisch saluber mit der Bedeutung von „gesund", „gut".
Das Wort Salober wird auf der zweiten Silbe betont. Diese Art von Betonung ist für romanische Namen typisch. Auch die Worte Morisse und Lusalten werden auf der zweiten Silbe betont und sind deswegen der Hinweis, dass romanische Bevölkerungsreste im Füssener Raum bis gegen das Jahr 1100 n. Chr. überlebt haben
(Anm. 53).
Zuletzt war in Bayern die romanische Sprache, zu der auch das Ladinische gehört, im Bereich des Walchensees, oberhalb von Kochel am See, lebendig. Noch im 13. Jahrhundert bestand in dieser entlegenen Gegend eine romanische Sprachinsel der Welschen oder Walchen, von denen sich der Name Walchensee ableitet.
Romanisch wird heute noch in der Form des Rätoromanischen in der Schweiz gesprochen. Das größte rätoromanische Sprachgebiet liegt im Schweizer Kanton Graubünden.
Die Wortsilbe Sal aus dem Wort Salober findet sich auch bei den mythischen Wesen der Saligen.
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Unter den zauberischen Gestalten, die in den Bergen beheimatet sind, nehmen die Saligen oder seligen Fräulein, auch Wald- oder Bergfrauen geheißen, die erste Stelle ein. Die saligen Fräulein wohnen den Sagen nach in den hohen Gebirgsregionen. Im Innern der Berge zwischen Felsen und Gletschern liegt ihr wunderbares Reich. Nur selten vergönnen sie Sterblichen, ihren geheimnisvollen Aufenthaltsort zu betreten. Wen sie aber für würdig erachten, ihr Gesicht zu schauen, dem erweisen sie Liebe und wertvollen Rat. Doch wehe denen, die darüber nicht Stillschweigen bewahren. Zorn und Strafe der so verratenen Bergfrauen treffen alle unvorsichtigen Schwätzer.

In der christlichen Mythologie verbergen sich die Saligen oft hinter den drei Heiligen Frauen St. Barbara, St. Katharina und St. Margarete.
Der am Salober gelegene Bergsee trägt den Namen Alatsee. Dies kann ein Hinweis darauf sein, dass es sich um einen Ort der weißen Göttin handelt, da die Wortsilbe AL oft in Verbindung mit hell, glänzend, strahlend gebraucht wird (Anm. 54).
AL findet sich in AL-pen (weiße Berggipfel), in AL-uminium (helles Metall), AL-ba (Frauenname mit der Bedeutung von die Weiße) und AL-bino (weißes Tier).„Zufällig" heißt der am Fuß des Salobers gelegene See WEISSENsee. In der Trinität der Göttin entspricht ihr weißer Aspekt den Eigenschaften von Unschuld, Reinheit und Wildheit. Von den sichtbaren Mondphasen liegt die Entsprechung der Weißen Göttin beim zunehmenden Mond. Im Jahreskreis ist die Weiße Göttin im Frühjahr repräsentiert in der aufsteigenden Energie, die sich zur Fruchtbarkeit hin entwickelt.
Vom Alatsee gibt es auch folgende Sage, die Aufschluss darüber geben kann, dass es sich hier um ein „Mutter-Land" handelt: „Der Vogt von St. Mang in Füssen hatte einst für sein Kloster das Fischrecht im Alatsee von einer verarmten Frau gepachtet. Einige Zeit später aber behauptete er keck, das Fischrecht gehöre dem Kloster von alters her zu Eigentum. Die betrogene Frau klagte zwar vor Gericht, aber der zungengewandte Vogt gewann den Prozess. Das Weiblein, das auf solche Weise um Hab und Gut gekommen war, fiel händeringend vor einem Kreuz am Seeufer nieder. Sie gelobte Gott und allen Heiligen, sich nicht mehr vom Platz zu rühren, bis der Himmel selbst ein Zeichen des Unwillens über das ungerechte Urteil gegeben habe.
Da erhob sich am jenseitigen Ufer ein Donnern und Krachen und ein gewaltiger Bergrutsch riss zu Tausenden die Tannen in die Tiefe des Sees. Es heißt, man habe daraufhin im Kloster das Unrecht des Vogtes wieder einigermaßen gut machen wollen. Die Mönche hätten die arme Frau bis an ihr Lebensende versorgt und ihren Söhnen, als sie aus der Fremde zurückkehrten, eine Abfindung bezahlt.
Gleichwohl aber rächte sich der alte Frevel. Das Mangenkloster erlebte an dem See keine Freude. Jedes Fischnetz verfing sich nämlich in den Wipfeln der auf dem Seegrund liegenden Tannen und nicht selten kamen Fischer mit ihren Booten zu Schaden.
Das ist so geblieben bis auf den heutigen Tag." (Anm. 55)
Wenn eine Frau Land (hier einen See) besitzt, dann muss sie in späterer Zeit, in der sich alles auf den Mann und männliche Werte bezieht, als alte Frau oder Witwe dargestellt werden. Es kann und darf nicht mehr sein, dass eine Frau aus sich selbst heraus und von niemandem hergeleitete Eigentümerin von Besitz und Rechten ist. In mutterrechtlicher Zeit jedoch „gehörte" das Land der Muttersippe, die es gemeinsam urbar machte und bewirtschaftete. Die Mutter als Sippenälteste stand der Gemeinschaft vor (Anm. 56).
In dieses alte Recht hatte das Kloster St. Mang also eingegriffen und bekommt auch von einem den männlichen Werten verpflichteten Gericht recht. Die alte Gerechtigkeit bleibt in der Sage jedoch erhalten: ein göttliches Zeichen bestätigt die Rechte der Frau an dem See.
Auch wenn es keinen konkreten Hinweis auf einen bestimmten Kultplatz gibt, kann trotzdem gesehen werden, dass das Gebiet Salober/Alatsee ein Bereich ist, in dem sich die matriarchale Form der Almbewirtschaftung durch eine Sippengemeinschaft sehr lange erhalten hat. Denn entsprechend der Sage mussten noch Zahlungen des Klosters selbst an die Söhne der alten Frau geleistet werden. Die Tatsache an sich, dass die Legende hier den Rechtsbruch und die Wiederherstellung der matriarchalen Rechtmäßigkeit erwähnt, ja sogar hervorhebt, weist darauf hin, wie tief verwurzelt das matriarchale Recht im Gebiet Salober/ Alatsee war. Und für St. Mang war dies sicherlich ein Grund, warum er ein besonderes Augenmerk auf dieses Gebiet im Rahmen seiner Missionstätigkeit haben musste.



Leseprobe Nr.1, Nr.2, Nr.3 und Nr. 4

aus dem Buch "Orte der Göttin & Magnuslegende"
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Mit freundlicher Genehmigung:
Elisabeth Wintergerst, Rechtsanwältin
Brunnengasse 12
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