Der Lechfall bei Füssen
aus der Reihe"Geopark Allgäu" von
Wanderung -> Lechfall - Hochwasser 2005 - Wasserkraftwerk - Leistungsdaten

Bücher: Ort der Göttin & Magnuslegende - So leicht wird man kein Allgäuer
Gastgeber - Hotels, Ferienwohnungen, Urlaub auf dem Bauernhof, Berghütten
Home - Wege kreuzen sich - Sehenswürdigkeiten - Geologie - Impressum
IMG_1562
Der Lechfall bei Füssen - Bayerns schönste Geotope - Nr. 8
Wie und wann entstand der Lechfall?
Wie hat sich der Lech durch den Fels gegraben?
Die Entstehung des Lechfalls geht auf das Ende der letzten Eiszeit (Würm) zurück. Nach dem Rückzug des Lechgletschers und dem Abschmelzen der Eismassen bildete sich im Lech– und Vilstal ein großer See, der sich bis nach Pfronten erstreckte ('Pfrontener See'). Wie eine Badewanne füllte sich dieses Becken, das nach Norden durch einen Höhenzug aus Wettersteinkalken begrenzt wurde. An der tiefsten Stelle des Beckenrandes, beim heutigen Lechfall, befand sich der Überlauf. Dort fielen die Wassermassen über 100 Meter in die Tiefe und ergossen sich in den damals vorhandenen 'Füssener See'. Erst nachdem sich der Lech an dieser Stelle einen Durchlass durch den Wettersteinkalk gegraben hatte und diesen immer weiter vertiefte, konnte das Wasser langsam nach Norden abfließen und dieser Ur–See fiel nach und nach trocken.

Der Lech bahnt sich seither in einem Bett aus eiszeitlichen Schotterabsätzen seinen Weg und bildet an seinem Oberlauf in Tirol heute eine der letzten Wildflusslandschaften Europas.

'Steter Tropfen höhlt den Stein' sagt ein Sprichwort und beschreibt damit exakt die Fähigkeit des Wasser, allein durch die Kraft des Fließens auch größte und härteste Hindernisse aus dem Weg zu räumen - wenn man dem Fluß nur genügend Zeit lässt. Beschleunigen lässt sich dieser Vorgang durch sogenannte Erosions-Waffen': Flüsse in Gebirgen führen aufgrund der dort herrschenden starken Verwitterung und Abtragung meist große Mengen an Sand– und Geröllfracht mit sich. Diese wirken ähnlich einem Sandstrahlgebläse und tragen durch die Schleifwirkung dazu bei, dass sich Flüsse auch in härtesten Fels in geologisch gesehen relativ kurzen Zeiträumen tief einschneiden können.
In welches Gestein hat sich der Lech eingeschnitten?
Welche Bedeutung hat der Lechfall?
Der Fels besteht aus Kalk– und Dolomitgestein und wird dem Oberen Ladin (um 235 Millionen Jahre) in der Mittleren Trias zugeordnet. Die sogenannten Wettersteinkalke wurden in einem flachen Meer in einem frühen Stadium der Alpenentstehung gebildet. Sie sind im weitesten Sinne den Riffgesteinen zuzuordnen und wurden hauptsächlich von Korallen, Schwämmen und Kalkalgen aufgebaut – für Geologen ein deutlicher Beleg dafür, dass der Wettersteinkalk südlich seiner heutigen Lage in einem tropischen bis subtropischen Bereich abgelagert wurde. Im Schutt findet man von der Verwitterung herauspräparierte Fossilien. Äußerlich erscheint das Gestein als ein dickbankiger bis massiger, sehr reiner Kalk. Er wurde vermutlich nachträglich durch Magnesiumzufuhr und Umkristallisation bereichsweise zum Wettersteindolomit umgewandelt.

Der Wettersteinkalk baut mit Schichtmächtigkeiten von bis zu 1000 Metern den größten Teil der Lechtaler Alpen auf und ist, bedingt durch seine Härte und hohe Verwitterungsbeständigkeit, fast durchwegs gipfelbildend.

Er ist nicht nur Naturdenkmal und touristischer Anziehungspunkt. Daneben hat der Lechfall auch einen praktisch–wirtschaftlichen Nutzen. Bereits 1784 wurden erste Ableitungsstollen zum Betrieb von Mühlen in den Fels gesprengt. Seit 1903 dient diese Stollenanlage im wesentlichen unverändert bis heute zur Stromgewinnung und gilt daher auch als Industriedenkmal.

Nicht zuletzt hat der Lechfall und seine Schlucht gerade auch für die einheimische Bevölkerung einen hohen Stellenwert und große heimatkundliche Bedeutung. Dies spiegelt sich wider im Ortsnamen der Stadt Füssen, die nach der Schlucht benannt wurde (nach lat.: fauces = Schlund) und in zahlreichen, zum Teil mythischen Geschichten rund um diesen Naturschauplatz. Unter anderem wurden bis 1920 Wallfahrten zum sogenannten 'Magnustritt' abgehalten. Dabei handelt es sich um einen Felsvorsprung nahe des Lechfalls. Nach der überlieferung stellt er einen Fußabdruck des Hl. Magnus dar, den dieser auf der Flucht vor den Heiden bei einem Sprung über den Lech hinterlassen hat.

Schautafel (zum Vergrößern anklicken)
IMG_1562
mit freundlicher Genehmigung (Texte und Bild) Bayerisches Landesamt für Umwelt


Siehe auch: Fertiggestelltes WKW 2008, Hochwasser 2005 und der Lechfall unter normalen Bedingungen

Home "Lechfall"